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09.03.2017 14:19 Uhr

Was ist der Antrieb, Unified Teams im Floorball zu bilden?

Bei den Nationalen Winterspielen ist Floorball die einzige Teamsportart. Seit 2015 treten hier Unified Teams gegeneinander an. Doch was ist der Antrieb, Unified Teams zu bilden?

Floorball-Unified-Teams bei den Special Olympics Willingen 2017. (Foto: SOD)

Floorball-Unified-Teams bei den Special Olympics Willingen 2017. (Foto: SOD)

„Seit 2012 kooperiert der Wernigeröder Sportverein „Rot-Weiß“ e.V. in Sachsen-Anhalt mit Schulen für Jugendliche mit geistiger Beeinträchtigung. Wir begannen, in gemeinsamen Trainingscamps miteinander zu trainieren“, erklärt Mario Vordank (Headcoach der Teams von Halberstadt, Wernigerode und Quedlinburg, die bei den Nationalen Spielen als Reinhard-Lakomy-Schule antreten). Gleichzeitig wurden Jugendliche mit Handicap zu Bundesligaspielen eingeladen. Anschließend trainierten junge Vereins- und Bundesligaspieler mit den Schülern verschiedene Spieltechniken.  Auf diese Weise entstanden zusammengewürfelte Teams, die mit der Zeit zusammenwuchsen und zu Spielen antraten, allerdings nicht mit dem Wunsch zu siegen,  sondern als sportliche Einheit Spaß und Freude zu haben, einzigartige Erlebnisse zu erfahren.

So spielt zum Beispiel Sebastian Mennigke (10. Klasse der Sekundarschule Burgbreite Wernigerode) mit 15 Jahren auch in der Bundesliga und trainiert nebenbei Kinder bis 9 Jahren. Er unterstützt die Athleten dabei, neue Spieltechniken zu erlernen. „Mir ist es wichtig, dass nicht ich, sondern die Athleten mit den Partnern zusammen als Gemeinschaft, Tore erzielen. Für mich ist der Spaßfaktor maßgeblich und die persönlichen Erfahrungen die ich dabei machen kann.“ Vor zwei Jahren wurde er durch ein Training in Halberstadt während eines Turniers auf Special Olympics aufmerksam und wurde schließlich gefragt, ob er bei den Winterspielen in Willingen dabei sein wollte. „Ich habe mich sehr gefreut, da ich dabei sein sollte. Ich verstehe mein Mitwirken als Vorbildfunktion, die Athleten können von mir lernen und ich von ihnen; ein Geben und Nehmen von beiden Seiten.“ Als Team auf dem Spielfeld zu kämpfen, und gemeinsam zu gewinnen. Was ihm dabei sehr am Herzen liegt, ist eine stärkere Förderung des Behindertensports durch Mitarbeit von Vereinen.

„Beide Seiten profitieren davon. Für die Vereinsspieler ist es eine psychologische Schulung. Normalerweise stehen bei Spielen die Leistung und der Erfolg im Vordergrund. Ein „zusammengewürfelter Haufen“ verlangt von unseren jungen Vereinsspielern Anpassung, sie müssen und sollen sich einbringen und für die gemeinschaftliche Aufgabe, miteinander zu trainieren und zu spielen, sich selbst zurückzunehmen und den Athleten den Vortritt geben. Die soziale Komponente ist die Wertschätzung untereinander. Das wird von unseren Sportlern sehr gut angenommen“, so Mario Vordank. Zwischen den Schülern und die Vereinsspielern findet ein Ideen- bzw. Gedankenaustausch auf sportlicher, aber auch auf der persönlichen Ebene statt; auf diese Weise kann sich auch der Floorball weiterentwickeln.
Durch regelmäßiges gemeinsames Trainieren ist es vielen Athleten möglich, als Spieler in die Vereinsmannschaft aufgenommen zu werden.

„Die Unified Teams spielen inzwischen so professionell, dass der Zuschauer die geistige Beeinträchtigung oftmals überhaupt nicht mehr bemerkt“, stellt Tipi Koivisto (Floorball-Bundesligaschiedsrichter und -spieler) fest. „Die Spieltechnik der Athleten ist vergleichbar mit denen der Partner, und sie sind mit Begeisterung dabei, der Leistungsdruck wird deutlich reduziert. Das ist für mich gelebte Inklusion. Du spürst förmlich den Spaßfaktor der jungen Spieler.

SOD/Presseteam/Gabriele Peiter

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